Язык и культура стран изучаемого языка материалы студенческой научно-практической



Сторінка16/32
Дата конвертації16.04.2016
Розмір6.57 Mb.
1   ...   12   13   14   15   16   17   18   19   ...   32

Лингвостилистические особенности немецких

афоризмов



И.А. Плисенко, А.А. Плисенко
Важную роль в передаче коллективной и индивидуальной культуры и мудрости от поколения к поколению играют афоризмы - высказывания, которые в компактной форме выражают важнейшие для людей мысли. В статье уточняются понятие афоризмов и их признаки. Афоризмы отграничены от таких явлений как пословицы, крылатые слова, цитаты, сентенции. Исследованы грамматические, стилистические, графические, лексические средства создания экспрессивности афоризмов.
Библиогр. 7 назв.
Ключевые слова: немецкий язык, афоризм, стилистические средства, лексические средства, грамматические средства, графические средства, художественная ценность.
Плисенко Иван Анатольевич, студент группы ЭАПУ-10-1, института энергетики
Плисенко Алевтина Анатольевна, к. филол. н., доцент, заведующая кафедрой иностранных языков для технических специальностей №2

Sprachlich-stilistische Besonderheiten der deutschen Aphorismen

Eine wichtige Rolle bei der Übertragung der kollektiven und individuellen Kultur und Weisheit von Generation zu Generation spielen Aphorismen – Aussagen, die die für die Menschen wichtigsten Ideen in knapper Form ausdrücken. Im Artikel werden die Definition des Aphorismus und ihre Merkmale präzisiert. Die Aphorismen sind von solchen Erscheinungen wie Sprichwörter, geflügelte Worte, Zitate, Sentenzen abgegrenzt. Grammatische, stilistische, graphische, lexikalische Mittel der Schaffung der Expressivität der Aphorismen sind untersucht.


Stichwörterdeutsche Sprache, Aphorismus, stilistische Mittel, lexikalische Mittel, grammatische Mittel, graphische Mittel, das Künstlerische.
Die Sprache ist bekanntlich ein Bewahrer der Kollektiverfahrung der Menschheit. Diese Erfahrung zeigt sich in den Bedeutungen der Wörter und fester Wortverbindungen, in den Wertassoziationen und in den sprachlich fixierten Normen des Verhaltens, die die Zugehörigkeit der Menschen zur einen oder anderen Kultur bestimmen. Eine besondere Rolle in der Übertragung der kollektiven und individuellen Autorweisheit von Generation zu Generation spielen die Aphorismen - die Aussagen, die die für die Menschen wichtigsten Ideen in knapper und umfangreicher Form ausdrücken. Diese Aphorismen, die von den Menschen verschiedener Epochen geäußert wurden, sind viel bedeutender als ihr konkreter historischer Sinn, denn die wahrhafte Weisheit, die sie enthalten, ist aktuell in allen Zeiten.

Jahrhundertelang widerspiegeln sich in den Aphorismen oft "ewige Fragen", die für die Menschen am wichtigsten sind - über Weisheit und Gerechtigkeit, über Staatsaufbau, über Krieg und Frieden, über Arbeit, über Glück und Unglück, über Leben und Tod.

Das oben Gesagte bedingt die Aktualität der Untersuchung von Aphorismen. Die Neuheit der vorliegenden Untersuchung besteht darin, dass die Forschungen zu diesem Thema nicht zahlreich sind. Es gibt keine genaue Definition des Begriffs des Aphorismus. Nicht alle Forscher grenzen den Aphorismus von solchen Begriffen wie Sprichwort, Zitat, Sentenz, geflügeltes Wort ab. Linguistische Besonderheiten der Aphorismen sind auch nicht ausreichend beschrieben.

Davon ausgehend ist das Ziel dieser Untersuchung Feststellung und Beschreibung der sprachlich-stilistischen Besonderheiten von deutschen Aphorismen. Dieses Ziel setzt die Lösung folgender Aufgaben voraus:



  1. den Begriff des Aphorismus zu definieren und seine Besonderheiten zu bestimmen;

  2. Genregrenzen des Aphorismus zu beschreiben;

  3. die Gesamtheit von Mitteln der Expressivität in deutschen Aphorismen zu beschreiben.

Zuerst wird es auf die Definition des Aphorismus eingegangen.

Der Aphorismus (griechisch. aphorismus - Denkspruch, Aphorismus) ist ein verallgemeinerter, tiefer Gedanke des bestimmten Autors, der in der lakonischen Form ausgedrückt wird, der sich durch seine Ausdruckskraft und Überraschung auszeichnet. Solche Definition des Aphorismus ist im Wörterbuch der literaturwissenschaftlichen Termini gegeben [1].

Die Analyse der Literatur zu diesem Problem zeigt, dass verschiedene Autoren den Begriff des Aphorismus unterschiedlich definieren.

Um diesen Begriff zu konkretisieren, wenden wir uns der Klassifikation der Merkmale und Eigenschaften des Aphorismus, die N.T. Fedorenko und L.I. Sokolskaja anbieten. Sie sondern folgende Merkmale aus:



  1. die Tiefe des Gedankens, der nach der Wahrheit strebt;

  2. Verallgemeinerung (der Aphorismus entsteht als Ergebnis der Synthese vieler Fakten und Überlegungen und gilt gerecht als eine Schlussfolgerung, ein Grundsatz, ein Prinzip, ein Schluss. Die Verallgemeinerung synthetisiert eine Erfahrung und trägt zur Tiefe und zur Wahrhaftigkeit des Gedankens bei);

  3. Knappheit (die äußere Knappheit der Darlegung verdichtet den Gedanken, vertieft seinen Sinn);

  4. die Abgeschlossenheit des Gedankens (damit wird die Fähigkeit des Aphorismus zur selbständigen Existenz gemeint. Der Aphorismus muss einen vollendeten Sinn haben und ohne zusätzliche Erklärungen klar sein);

  5. die Geschliffenheit des Gedankens, seine äußere Klarheit, Genauigkeit, Ausdruckskraft [2].

Aber diese Merkmale geben noch keine vollständige Definition des Aphorismus. Jede mathematische Formel und viele verschiedene Gedanken haben diese Merkmale. Darum weisen einige Forscher darauf hin, dass der Aphorismus das sechste Merkmal hat - das Künstlerische, das durch die Anwendung von verschiedenen emotionalen und stilistischen Mitteln erreicht wird. Der Aphorismus muss nicht nur weise, sondern auch schön sein.

Die Aphorismen besitzen eine mächtige Kraft und wirken auf das Bewusstsein der Menschen durch die Tiefe des Gedankens, auf die ästhetischen Gefühle - durch ihre Schönheit, auf das Gedächtnis - durch die Knappheit und Sicherheit.

Aber nicht alle Forscher betrachten den Aphorismus als besonderes Literaturgenre.

A. Korjakowzew unterscheidet drei wichtige Genremerkmale des Aphorismus:



  1. Knappheit;

  2. Äußere, inhaltliche und formale Abgeschlossenheit;

  3. Enge Verbindung mit dem menschlichen Gedanken [3].

Der Aphorismus kann nicht verfilmt oder für die Bühne bearbeitet werden. Darum ist der Aphorismus die literarischste aller literarischen Kunstgattungen. Er konzentriert in sich das Literarische als solche. Das genaue Merkmal der literarischen Krise ist das Fehlen guter Aphorismen.

Von dem Gesagten ausgehend kann man folgende Definition des Aphorismus geben: Der Aphorismus ist eine ausdrucksvolle, tiefe, kurze Formulierung des Gedankens, die die Lebensweisheit widerspiegelt. Das ist ein geschliffener Gedanke, der nach der Wahrheit strebt, einen konkreten Autor hat und in allen Zeiten aktuell ist. Manchmal kann er übertrieben und unerwartet sein und auf das Bewusstsein der Menschen durch seine originelle Formulierung des Gedankens wirken. Die Aphorismen erfassen alle Seiten des Lebens des Menschen, sowohl äußere als auch innere, sowohl physische als auch geistige, moralische, philosophische.

Wir haben festgestellt, dass die Definition des Aphorismus ein Gegenstand der intensiven Besprechungen und Diskussionen ist. Die Linguisten haben auch keine einheitliche Meinung hinsichtlich der Genregrenzen der Aphorismen. Nicht immer genau werden die Aphorismen von solchen Erscheinungen wie Zitate, Sentenzen, Sprichwörter und geflügelte Worte abgegrenzt. Von unserem Standpunkt aus soll man diese Begriffe mit den Aphorismen nicht verwechseln, denn jede dieser Erscheinungen besitzt ihre besonderen Merkmale.

Weiter werden sprachlich-stilistische Mittel betrachtet, durch welche das wichtigste Merkmal des Aphorismus - das Künstlerische - realisiert wird: grammatische, stilistische, graphische, lexikalische.



  1. Grammatische Mittel

Die Analyse der Aphorismen zeugt davon, dass sie oft solche grammatischen Erscheinungen wie Ausrufesätze, Superlative, elliptische Sätze enthalten. Wir betrachten diese Erscheinungen an einigen Beispielen.

Expressiver Effekt in Aphorismen wird durch Ausrufesätze erreicht.



Ohne Faulheit kein Fortschritt! Weil der Mensch zu faul war zu rudern, erfand er das Dampfschiff; weil er zu faul war, zu Fuß zu gehen, erfand er das Auto; weil er zu faul war, abends die Augen zuzumachen, erfand er das Fernsehen.

Dieser Aphorismus gehört Manfred Hausmann. Er enthält den Gedanken, dass Faulheit Grund des Fortschritts ist. Er wirkt sehr expressiv. Es kommt durch folgende Mittel zum Ausdruck:



  1. durch den Parallelismus . Drei Satze dieses Aphorismus sind parallel gebaut.

  2. durch dieAnapher. Jeder dieser Sätze fängt mit der Wiederholung an: weil er zu faul war.

  3. durch den Ausrufesatz . Das Vorhandensein des Ausrufesatzes wirkt sehr expressiv. Dieser Satz ist ein elliptischer Satz. Hier fehlt das Verb. Vom syntaktischen Standpunkt aus besteht dieser Aphorismus aus dem Ausrufesatz und aus drei Satzgefügen mit den Kausalnebensätzen.

Die Idee dieses Aphorismus ist ironisch: Nicht alle Nachteile des Menschen haben eine negative Bedeutung. Sogar die Faulheit kann eine Triebkraft des Progresses sein.

Sehr oft gebraucht man in den Aphorismen einen Superlativ. Es verleiht ihnen expressive Färbung.



Das höchste Glück des Menschen ist die Befreiung von der Furcht.

(Walther Rathenau)

Hier steht das Wort hoch im Superlativ. Die Idee dieses Aphorismus ist folgende: Jeder Mensch hat Ängste. Jemand hat Angst vor der Dunkelheit, jemand - vor der Höhe, jemand - vor den Insekten. Es ist sehr schwer, mit diesen Ängsten zu leben. Sie stören den Menschen und schränken ihn ein. Zum Beispiel: Der Mensch, der vor der Höhe Angst hat, kann nicht einen Fallschirmabsprung vollbringen. Aber noch schwerer, diese Ängste loszuwerden. Und um glücklich zu sein, muss der Mensch seine Ängste überwinden.


  1. Stilistische Mittel

Dazu gehören folgende Stilfiguren: Antithese, Metapher, Parallelismus, Vergleich, Chiasmus, Periphrase, Wiederholung, Gradation.

Am öftesten wird in den Aphorismen Antithese gebraucht, denn die Aphorismen enthalten gewöhnlich einen Widerspruch.

Wer nichts Böses tut, hat damit noch nichts Gutes getan.

(Karl Heimich Waggerl)

Dieser Aphorismus enthält «ewige» Antithese: das Böse - das Gute. Hier gibt es auch die Wiederholung: nichts Böses - nichts Gutes. In diesem Aphorismus wird zwei Male das Verb tun gebraucht. Im ersten Teil steht es im Präsens, und im zweiten - im Perfekt. Dadurch wird die Idee dieses Aphorismus realisiert: Wenn ein Mensch keine schlechten Taten vollbringt, ist er noch kein guter Mensch. Über den Menschen urteilt man nicht nach dem Fehlen der schlechten Taten, sondern nach den guten Taten. Und um ein guter Mensch zu sein, reicht es allein noch nicht aus nichts Böses zu tun, sondern man muss auch etwas Gutes machen.

Sehr oft kommt der Parallelismus in den Aphorismen vor. Der Aphorismus enthält gewöhnlich zwei Sätze, die parallel gebaut sind. Das kann man dadurch erklären, dass die Aphorismen gewöhnlich aus zwei Teilen bestehen.



Manche Frau weint, weil sie den Mann ihrer Träume nicht bekommen hat, und manche weint, weil sie ihn bekommen hat.

(Anna Magnani)

Zwei Kausalsätze dieses Aphorismus sind parallel gebaut. Hier gibt es auch Antithese bekommen - nicht bekommen, deren Vorhandensein auch expressiv wirkt. Der Parallelismus enthält oft Wiederholung, und dabei werden nicht nur Satzkonstruktion sondern auch einige Wörter wiederholt. In diesem Aphorismus werden die Wörter weinen, bekommen, manche, Frau, Mann, weil zwei Male gebraucht. Die Paradoxie dieses Aphorismus besteht in folgendem: sobald die Frau den Mann ihrer Träume bekommen hat, hört er auf, ihr Ideal zu sein.

Folgende Aphorismen haben analoge Konstruktionen. Parallelismus wird in der Kombination mit den Antithesen und Wiederholungen gebraucht.



Aus Liebe lernt man alles, aus Liebe lernt man nichts.

(Gerd Uhlenbruch)



Jeder, der aufhört zu lernen, ist alt, mag er zwanzig oder achtzig Jahre zählen. Jeder, der weiterlernt, ist jung, mag er zwanzig oder achtzig Jahre zählen.

(Herry Ford)

Metapher ist eines der verbreitesten Mittel bildlichen Ausdrucks, die in den Aphorismen gebraucht werden.

Die Liebe ist so unproblematisch wie ein Fahrzeug. Problematisch sind nur die Lenker, die Fahrgäste und die Strasse.

(Franz Kafka)

In diesem Aphorismus wird die Liebe mit einem Fahrzeug verglichen. Solcher Vergleich ist sehr ungewöhnlich. Durch die Kombination der Antithese mit Vergleich wirkt dieser Aphorismus sehr expressiv.

Die Anwendung der Metapher ist für Aphorismen typisch, denn ihr wichtigstes Merkmal ist das Künstlerische. Der Gebrauch der Metapher verleiht dem Aphorismus emotionelle Färbung, stellt die Idee des Autors in unerwarteter Form dar. Hier sind noch einige Beispiele anzuführen:

Die Liebe ist eine Gemütskrankheit, die durch die Ehe oft schnell geheilt werden kann.

(Sacha Guitry)

Die Liebe assoziiert sich hier mit der Gemütskrankheit, denn dieses Gefühl macht die Menschen unsinnig.

Der Vergleich ist ein prägnantes Mittel des Expressivitätsausdrucks. Gewöhnlich enthalten die Vergleiche eine Konjunktion und ein Adjektiv oder Adverb, das im Komparativ steht. Zwei Begriffe, die verglichen werden, haben oft entgegengesetzte Bedeutung - Antithese.



An einer unglücklichen Liebe scheitert man zuweilen weniger als an einer glücklichen.

(Friedl Beutelrock)

Dieser Aphorismus enthält die Antithese - unglückliche Liebe - glückliche Liebe. Diese zwei Begriffe werden verglichen und entgegengesetzt. Durch diesen Vergleich wird die Idee dieses Aphorismus realisiert: wenn der Mensch eine unglückliche Liebe erlebt, gewöhnt er sich an den Gedanken, dass seine Liebe unerwidert ist. Und wenn der Mensch eine glückliche Liebe erlebt, kann er sich nicht vorstellen, dass seine Liebe aufhört. Darum scheitert man an einer unglücklichen Liebe weniger als an einer glücklichen.

Ein verbreitetes Mittel, das für die Aphorismen charakteristisch ist, ist Chiasmus. Der Chiasmus hilft den Gedanken in origineller Form darstellen. Er besteht aus zwei Antithesen, deren Vorhandensein für die Aphorismen typisch ist. Er spornt den Leser zum Nachdenken an.



Sicher verdanken einige Millionäre ihren Erfolg ihren Frauen. Aber die meisten verdanken ihre Frauen dem Erfolg.

(Danny Kaye)

Zwei Sätze dieses Aphorismus enthalten die Antithese: einige - die meisten, die den Sinn des Aphorismus schärfer macht. Einige Millionäre erreichen ihren Erfolg dank ihren Frauen. Und die meisten haben ihre Frauen dank ihrem Erfolg. Wenn sie nicht so erfolgreich wären, hätten sie ihre Frauen nicht bekommen.

Die Periphrase gehört zu den stilistischen Mitteln der Umschreibung. Sie dient der Hervorhebung eines sinnfälligen Merkmals oder irgendeiner anschaulich vorstellbaren Eigenschaft. Die Periphrase kann neutrales Reden in emotionell gefärbtes umgestalten. Sie macht den Aphorismus prägnant und geistreich.



Liebe auf den ersten Blick ist ungefähr so zuverlässig wie Diagnose auf den ersten Händedruck.

(George Bernard Shaw)

Die Periphrase - ungefähr so zuverlässig wie Diagnose auf den ersten Händedruck statt unzuverlässig - wirkt nicht nur expressiv, sondern auch ironisch. Die Ironie kommt auch durch den Vergleich zum Ausdruck. Dieser Aphorismus gibt die Antwort auf die Frage: Ob es die Liebe auf den ersten Blick gibt und wie ist sie. Die Liebe auf den ersten Blick ist unzuverlässig. Der Mensch, der sich auf den ersten Blick verliebt, verliebt sich in das Äußere. Denn auf den ersten Blick kann nur die Verliebtheit entstehen, aber nicht die Liebe. Es ist unmöglich einen Menschen zu lieben, von dem man nur allgemeine Vorstellung hat.

Die Wiederholung dient zur semantischen und emotionellen Hervorhebung eines Wortes, einer Wortgruppe oder eines Satzes.



Mir, mir allein gehört alles, was von ihr kommt, Böses und Gutes, denn ich, ich allein empfinde es!

(Peter Altenberg)

Hier werden die Wörter mir und ich wiederholt. Das ist die variierte Wiederholung. Das Vorhandensein der Antithese: Böses - Gutes verstärkt den expressiven Effekt dieses Aphorismus. Durch die Wiederholung wird der Grundgedanke dieses Aphorismus hervorgehoben: der Mensch ist das Maß aller Dinge. Wortspiel ist ein Mittel zum Ausdruck von Humor und Satire.

Jemand sagte zu mir (jeden Tag ist es ein anderer): «Sie sind der glücklichste Mensch! Sie haben keine Bedürfnisse!»

«Nein, ich habe keinerlei Bedürfnis, Bedürfnisse zu haben, die ich ja doch befriedigen kann!»

(Peter Altenberg)

In diesem Aphorismus wird das Wortspiel durch die Wiederholung des Wortes Bedürfnis realisiert. Sie wirkt expressiv und ironisch und verleiht diesem Aphorismus prägnante, emotionelle Färbung.

(Charles Baudelaire)



  1. Graphische Mittel

Die Aphorismen enthalten sehr oft graphische Mittel: Gedankenstrich, Kursivschrift, Sperrung, Anführungszeichen Durch diese Mittel wird die Expressivität erreicht. Sie werden gewöhnlich in der Verbindung mit anderen Mitteln gebraucht. Betrachten wir diese Mittel ausführlicher.

Mit Anführungszeichen kann man Wörter und Wortgruppen innerhalb eines Textes hervorheben.



Es gibt Dinge, die man nicht «modernisieren» kann, z.B. den Kuckuckruf. O ja, man macht ein Rabengekrächze und nennt es «Kuckuckruf».

(Peter Altenberg)

Hier stehen in Anführungszeichen die Wörter modernisieren und Kuckuckruf. Das Wort modernisieren passt nicht in die Logik dieses Satzes. Darum steht dieses Wort in Anführungszeichen. Es verleiht diesem Aphorismus ironische Färbung. Das Wort Kuckuckruf steht in Anführungszeichen, denn der Autor wollte dieses Wort hervorheben. Hier lassen sich noch einige Aphorismen anfuhren, wo einzelne Wörter in Anführungszeichen stehen.

Das, was die Menschen uns nicht vortauschen können, nicht vortauschen wollen, das sind sie! Ich habe Kinder gesehen, bei denen das «Niesen» sogar entzückend war.

(Peter Altenberg)



Der Mörder «Optimismus»! Es wird schon gehen. Es ist anderen auch gelungen. Weshalb gerade mir nicht?!? Ist es nicht heute, ist es morgen. Dieser feige, schleichende Gedankenmörder «Optimismus».

(Peter Altenberg)

Die Kursivschrift und die Sperrung gehören auch zu den Mitteln der Expressivität. Durch die Anwendung dieser Mittel werden die Wörter hervorgehoben, auf welche logische Betonung gesetzt wird.

Kursivschrift und Sperrung wendet man in folgenden Fallen:



  1. wenn man einige Wörter hervorheben muss;

  2. wenn gesondertes Wort die wichtige, sinnige Information trägt;

  3. wenn gesonderte Wörter einander gegenübergestellt werden.

Kästner schreibt nicht mehr an mich, also vermutlich bald wieder mich, so wie gewisse Hunde gewöhnlich bald beißen, wenn sie während dem Spielen den Schwanz fallen lassen.

(Georg Christoph Lichtenberg)

Der Gedankenstrich ist graphisches Mittel der Schaffung der Expressivität. Er dient der expressiven Hervorhebung der Bedeutung von einzelnen Wörtern, Redewendungen, Sätzen.

Wir alle benutzen einander und nennen es Liebe, und wenn wir einander nicht benutzen können, nennen wir es - Hass.

(Tennessee Williams)

Hier gebraucht man den Gedankenstrich, um die Gegenüberstellung von zwei Begriffen hervorzuheben. Mit Hilfe dieses Gedankenstrichs wird ein scharfer, expressiver, stilistischer Effekt erreicht. Durch diese Hervorhebung kommt die Idee dieses Aphorismus zum Ausdruck: Liebe und Hass existieren ewig wie Begriffe, die gegeneinander gestellt werden. Die Liebe kann in Hass übergehen, wenn wir einander nicht benutzen können.

In den Aphorismen werden manchmal Kombinationen aus einigen Gedankenstrichen (zwei, drei) für die Schaffung des Effekts der emotionellen Spannung der beschriebenen Situation gebraucht. Einige Gedankenstriche akzentuieren die Aufmerksamkeit des Lesenden auf unerwartetem Schluss, bezeichnen den Übergang zur unerwarteten Handlung, Folgerung:



Triumph. «Er geht elastischer, seit er mich kennengelernt hat -».

(Peter Altenberg)

Hier gebraucht man drei Gedankenstriche. Sie dienen zur Unterstreichung der Idee dieses Aphorismus. Sie lassen den Leser über seinen Inhalt nachdenken. Besonders oft werden diese Mittel von Peter Altenberg gebraucht. Davon zeugen folgende Beispiele:

«Ich habe nun meine süße Geliebte verloren», sagte der Künstler «Wieso denn?!?»



«Sie setzt Fett an - - -».

(Peter Altenberg)



  1. Lexikalische Mittel

Die Expressivität der Aphorismen kann durch lexikalische Mittel erreicht werden. Zu diesen Mitteln, die gewöhnlich in Aphorismen gebraucht werden, gehören:

  1. der Gebrauch der Eigennamen

  2. der Gebrauch der Antonyme

Betrachten wir diese Mittel ausführlicher. In einigen Aphorismen werden die Eigennamen gebraucht. Diese Eigennamen sind allgemein bekannt.

Wenn man Romeo auf Ehre und Gewissen, das eben kein Romeo besitzt, fragte, ob er es denn sich wirklich zugetraute, die beliebteste Julia ganz, ganz glücklich zu machen, so musste er erwidern: «Ich glaube, mein Herr, für einige Wochen langt es gerade».

(Peter Altenberg)

In diesem Aphorismus gebraucht man die Eigennamen Romeo und Julia, denn sie assoziieren sich mit dem Thema «Liebe».

Die Analyse der linguistischen Literatur zum Problem und Untersuchung der deutschen Aphorismen ermöglicht folgende Feststellungen.

Die Aphorismen unterscheiden sich von Sprichwörtern durch ihre Genesis, von den geflügelten Worten und Zitaten - durch ihre inhaltliche Abgeschlossenheit, von Sentenzen - durch das Fehlen der Paradoxie und Spannung zwischen Einfall und Klärung.

Der Aphorismus ist ein besonderes Literaturgenre, das sich durch folgende Genremerkmale charakterisiert: Tiefe des Gedankens, Verallgemeinerung, Knappheit, Abgeschlossenheit des Gedankens, Geschliffenheit des Gedankens, Künstlerisches.

Das Künstlerische in den Aphorismen wird durch verschiedene emotionelle und stilistische Mittel erreicht. In den Aphorismen werden am öftesten folgende stilistische Figuren benutzt: Antithese, Parallelismus, Chiasmus, rhetorische Frage, Gradation, Metapher, Vergleich, Anapher und einige andere. Aber die Aphorismen können auch grammatische, lexikalische und graphische Mittel enthalten. Durch alle diese Mittel wird das wichtigste Merkmal des Aphorismus - das Künstlerische - realisiert. Das Künstlerische verleiht den Aphorismen den Ton der Neuheit und Überraschung, deren Thematik gewöhnlich «ewige Fragen» widerspiegelt.

Daraus kann man die Schlussfolgerung ziehen, dass der Aphorismus ein tiefer, verallgemeinerter, abgeschlossener Gedanke bestimmten Autors ist. Er strebt nach Wahrheit und wird in einer kurzen, scharfsinnigen, künstlerischen Form dargestellt. Die Aphorismen besitzen eine mächtige Kraft und wirken auf das Bewusstsein der Menschen durch die Tiefe des Gedankens, auf die ästhetischen Gefühle - durch ihre Schönheit, auf das Gedächtnis - durch die Knappheit und Sicherheit. Spannung zwischen Einfall und Klärung ist dem Aphorismus eigen.

Die Aphorismen wirken immer expressiv und emotional. Sie enthalten oft einen Widerspruch, der im Aphorismus selbst beseitigt wird.

Daraus geht hervor, dass der Aphorismus ein besonderes Literaturgenre ist, das von solchen Begriffen wie Sprichwort, geflügeltes Wort, Sentenz und Zitat abzugrenzen ist.


Bibliographie


  1. Wahrig Gerhard. Deutsches Wörterbuch [Теxt] / Gerhard Wahrig. – Mosaik Verlag, 1980. – 4356 S.

  2. Федоренко Н.Т. Афористика [Текст] / Н.Т. Федоренко, Л.И. Сокольская. – М.: Наука, 1990. – 416 с.

  3. Коряковцев А. Карнавал языка: Афоризм как литературный жанр [Текст] / А. Коряковцев // Урал. – 1997. – №3. – С.11 – 18.

  4. Altenberg P. Diogenes in Wien: Aphorismen, Skizzen und Geschichten. Band 1 [Теxt] / Peter Altenberg. – Berlin: Verlag Volk und Welt, 1979. – 263 S.

  5. Altenberg P. Diogenes in Wien: Aphorismen, Skizzen und Geschichten. Band 2 [Теxt] / Peter Altenberg. – Berlin: Verlag Volk und Welt, 1979. – 272 S.

  6. Duden. Zitate und Aussprüche [Теxt] / Duden. – Mannheim – Leipzig – Wien – Zürich: Dudenverlag, 1996. – 896 S.

  7. Lichtenberg G.N. Fixsterne: Aphorismen [Теxt] / G.N. Lichtenberg. – Berlin: Der Kinderbuchverlag, 1979. – IIIS.


1   ...   12   13   14   15   16   17   18   19   ...   32


База даних захищена авторським правом ©shag.com.ua 2016
звернутися до адміністрації

    Головна сторінка